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  • Florian

Servant Leadership

Ich glaube jeder hat dieses Bild schon einmal gesehen: Die Führungskraft ist früh im Büro, hat non-stop Termine, keine Zeit für ein richtiges Mittagessen und wenn die ersten Mitarbeiter schon wieder Feierabend machen kommt der berühmte Spruch “Ich fange jetzt erst richtig an zu arbeiten”. Die Führungskraft war den ganzen Tag in Meetings ohne und mit Mitarbeiter*innen hat Entscheidungen getroffen, Commitments abgegeben und verteilt am Ende des Tages die Aufgaben an seine Mitarbeiter*innen für den nächsten Tag bzw. die nächsten Tage. Feierabend ist dann sehr spät. Teilweise werden E-Mails auch nochmal spät am Abend oder Nachts geschrieben.

Neben der Tatsache, dass das ein schlechtes Vorbild im Sinne der Work-Life-Balance ist, starke negative Auswirkungen auf die eigene Gesundheit und Leistungsfähigkeit hat, zeigt es auch den großen Mangel an Zeit für die eigentliche Führung von Menschen.

Menschen führt man nicht indem man ihnen Aufgaben zuweist und sie wie eine Produktionsstraße unter Dauerlast hält, sondern indem man ihnen zuhört, ihnen Verantwortung übergibt und gemeinsam Entwicklungsmöglichkeiten herausarbeitet. Es geht darum den Mitarbeiter*innen einen Sinn in Ihrer Arbeit zu geben und sie zu empowern als selbstständig Denkende Individuen die besten Entscheidungen für das Unternehmen zu treffen.


Diese Art der Führung kann unter dem Begriff Servant Leadership oder partizipativer & coachiver Führungsstil zusammengefasst werden und unterscheidet sich stark von dem klassischen hierarchischen Führungsverständnis das die letzten Dekaden geprägt hat.


Was ist Servant Leadership?

Im klassischen Führungsverständnis führt der Vorgesetzte mit Autorität, hält die Fäden zusammen, trifft Entscheidungen und gibt den Ton an. Die Führungskraft muss wissen woran gerade gearbeitet wird, entwickelt Strategien, spricht mit Stakeholdern zu Projekten und Themen, ist dabei aber immer in der Rolle als Führungskraft des Teams für das Team Entscheidungen zu treffen und Commitments abzugeben.

Servant Leadership hingegen dreht diese Autorität/Hierarchie um. Ein Servant Leader dient seinem Team und stellt die besten Arbeitsbedingungen für das Team her. Dabei gibt er Entscheidungsverantwortung an das Team ab und versetzt das Team durch sein Coaching in die Lage Entscheidungen zu treffen. In dieser Rolle arbeitet die Führungskraft in erster Linie nicht operativ, sondern kümmert sich um die tatsächliche Führung der Mitarbeiter*innen. Dies geschieht mit einem coachiven, kooperativen und inspirativen Mindset.


Hier einige Beispiele wie ein anderes Führungsverständnis in der Realität aussehen könnte:

  • Mitarbeiter*innen nehmen wichtige Termine wahr (auch mit Führungskräften einer ganz anderen Hierarchieebene bspw. Vorstand)

  • Mitarbeiter*innen treffen Entscheidungen ihr Tätigkeitsfeld betreffend ohne Rücksprache halten zu müssen (im Sinne von Freigabe durch die Führungskraft)

  • Budget wird nicht durch Führungskraft verwaltet, sondern durch Mitarbeiter*innen. Es wird komplett eigenverantwortlich geplant wofür genau das Budget ausgegeben wird.

Wieso Servant Leadership?

In einer sich weiter zuspitzenden Digitalisierung und Globalisierung ist es zum einen wichtig die meiste/beste Leistung aus den Mitarbeiter*innen herauszuholen und zum anderen diese auch nicht durch eine veraltete Führungskultur zu vergraulen.

Wir wissen heute ganz genau was Mitarbeiter*innen zufriedenstellt und was zu einem noch größerem Commitment und Engagement mit dem Unternehmen führt. Das sind Sinn in der Arbeit, Autonomie in den Entscheidungen, eine gute Kollegialität bzw. Teamwork und die Möglichkeit für persönliches Wachstum. Diese Punkte führen dazu, dass Mitarbeiter*innen glücklich sind und wenn die Mitarbeiter*innen glücklich sind, werden auch bessere Ergebnisse erzielt.

Und ganz nebenbei hat die Führungskraft die ich am Anfang beschrieben haben auch mehr Zeit für Führung, da viele operative Themen wegfallen und kann sich so noch mehr darum kümmern, dass es den Mitarbeiter*innen gut geht.


Wie kann ich zum Servant Leader werden bzw. wie sieht eine Entwicklung aus?

Eigentlich ist es ganz einfach und gleichzeitig auch schwer. Im Kern geht es um eine Haltung die man als Führungskraft einnehmen muss. Die Haltung, dass die Mitarbeiterführung die wichtigste Aufgabe ist um die man sich kümmern muss - alles andere ist zweitrangig. So einfach dieser Satz aufgeschrieben ist, so schwierig ist es diesen im Alltag umzusetzen.


Vielleicht befindet man sich in einem Unternehmen das sehr hierarchisch funktioniert. Vielleicht ist der Terminkalender jeden Tag rappelvoll. Vielleicht weiß man auch gar nicht wo man beim Thema Mitarbeiterführung anfangen soll.


Das gute ist allerdings, dass man auch mit kleinen Schritten vorwärts kommt und mit kleinen Schritten gute Ergebnisse erzielen kann. So kann ein guter Anfang bereits sein sich einen Blocker von einer Stunde in den Terminkalender einzutragen und das eigene Führungsverhalten zu reflektieren. Dabei kann man erforschen in welchen Situationen man wie führt und wie man die Führung hin zu Servant Leadership anpassen kann. Am Anfang sind es vielleicht Kleinigkeiten wie die Einbindung der Mitarbeiter*innen bei der nächsten Budgetplanung oder statt einmal im Jahr mit den Mitarbeiter*innen im Rahmen eines Mitarbeiterjahresgesprächs unterjährig über die Zusammenarbeit und die persönliche Entwicklung zu sprechen. Bei letzterem muss man als Führungskraft auch kein Plan im Kopf haben wo sich jemand hinentwickeln muss. Man kann die Mitarbeiter*innen fragen was sie besonders gut können, wo sie sich gerne hinentwickeln würden, was benötigt wird um bessere Ergebnisse zu erzielen. Wichtig ist hier gut zuzuhören und auf Basis dessen weitere Schritte herauszuarbeiten.

Wenn wir mit Führungskräften über Servant Leadership sprechen wird reflexartig gesagt, dass geht bei uns nicht. Die Hierarchie ist zu stark. Doch auch in jeder Hierarchie kann man kleine Dinge verändern und die eigene Wirksamkeit vergrößern ohne dass das System Hierarchie zusammenbricht.


Abschließend würde ich gerne nochmal auf das Bild der Führungskraft blicken. Das Bild der Führungskraft vom Anfang hat sich komplett verändert. Eine Führungskraft die als Servant Leader unterwegs ist, priorisiert Zeit für die Mitarbeiter*innen. Die Führungskraft gibt den Mitarbeiter*innen Kraft, unterstützt bei Hürden, Fördert die eigene Entwicklung und vor allem fördert sie Zufriedenheit und Glück.


Meiner Meinung nach das deutlich attraktive Bild einer Führungskraft.



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